Johanniskrautöl

 

 

Mitte Juni hat die Sonne ihren höchsten Stand erreicht. Wie drei Tage nach der Wintersonnenwende die Geburt der neuen Sonne im Symbol der Geburt des Christus gefeiert wird, wurde lange Zeit drei Tage nach der Sommersonnenwende – also am 24. Juni - das Johannisfest gefeiert. Der Legende nach soll an diesem Tag Johannes der Täufer geköpft worden sein.

Um die Zeit des höchsten Sonnenstandes blüht gewöhnlich das leuchtende Johanniskraut, das die Helle der Tage in sich aufnimmt. Wird unsere Stimmung trübe, kann es uns helfen, das Licht im Leben deutlicher wahrzunehmen: Das Johanniskraut hellt unser Gemüt auf, regt den Kreislauf an, macht aber auch anfälliger für Sonnenbrand.
Reibt man die Blütenblättchen, tritt roter Pflanzensaft aus. Die kleinen Blätter sehen, gegen das Licht gehalten, wie mit Nadeln durchstochen aus, daher die Bezeichnung „Hypericum perforatum“. So galt und gilt diese Pflanze als blutbildend und blutstillend sowie bei allen Stichverletzungen und stechenden Schmerzen heilend.

Johanniskrautöl können Sie als Massageöl besonders bei Nervenschmerzen verwenden. Sie können aber auch bei Überreizungen wie Magenverstimmungen oder leichten depressiven Zuständen zwei Teelöffel täglich einnehmen. Sollten Sie mit  Herzmedikamenten therapiert werden, so fragen Sie Ihren Behandler ggf. wegen möglicher Wechselwirkungen.

Warum es auch „Rotöl“ genannt wird, werden Sie sehen, wenn Sie es herstellen: Ca. 50g gerade aufgeblühtes Kraut etwas anquetschen oder mit dem Mörser zerreiben und mit einem Liter Öl übergießen; für drei bis fünf Tage an einem warmen Ort unter gelegentlichem Umrühren etwas gären lassen, dann das Glas verschließen und für ca. sechs Wochen an einer sonnigen Stelle ziehen lassen, schließlich abpressen, evtl. die wässrige Schicht entfernen und in gut schließende kleinere Flaschen füllen. Wollen Sie die sonnige Wirkung erhöhen, so benutzen Sie Sonnenblumenöl – dieses ist allerdings nicht so lange haltbar wie gutes Olivenöl.

 

"Im Mittagsgleiß die Blüte brich:
Johanniskraut, Blutweiderich.
Schafgarbenblüh, Basilikraut,
Kamill und Linde duften laut.
Die Sonne brennt, der Heuwind streicht,
das Haar fällt frei, die Kleider leicht.
Und Lust aus allen Tümpeln lacht,
Weit wird der Sinn und wild die Nacht.
Misch Tausendgüldenkraut darein,
Storchschnabel, Salbei, Rosmarein
und achte auf die Sternenbahn,
damit das Kraut auch heilen kann."

Hubert Weinzierl

 

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