"Grün wächst die Stechpalme wie auch das Efeu.
Der Gott des Lebens kann nie sterben!
Hoffnung!, sagt die Stechpalme."

aus einem englischen Weihnachtslied

 

Stechpalmen sind ein beliebter Weihnachtsschmuck. Zweige und Kränze dieses in unseren Breiten einzigen wildwachsenden immergrünen Laubbaums zieren dann viele Räume, besonders in den einst keltischen Gebieten und in dem von britischen Einwanderen geprägten Amerika.

"Holly", englisch "hulven", galt den Kelten als heilige Druidenpflanze. Direkt hat die Bezeichnung angeblich nichts mit "holy", "heilig", zu tun - sie soll "Hülsenholz" bedeuten, denn die harten Stämme eignen sich für feine Drechslerarbeiten. Doch "Huld", "hüllen", "Halle", "All", "Holle", "Olle", "hold", "holy" oder auch "Hölle" gehen sicher auf eine gemeinsame sprachliche Wurzel zurück. Aus dem hartem und heiligem Holz der Stechpalme wurden früher Spazierstöcke gefertigt. Auch Harry Potters Zauberstab besteht daraus. In Tolkien Romanen stammen die Elbenringe aus dem fiktivem Land Hulsten oder Hollin, also aus dem Reich der Hulstbäume.
Unsere Vorfahren glaubten, dass das grüne Laub gute Waldgeister beherberge und Menschen und Tiere vor dem Bösen bewahre. Im bayrisch-österreichischen Raum schützte der "Schrattlbaum" vor den Schratten, den Nachtteufeln. Deswegen wurde der Strauch auch gerne auf Friedhöfe gepflanzt. Im Rheinland wurden mit der "Schürrüte" Kamine und Herdstellen gekehrt, war doch der Rauchfang Ein- und Ausgang der Geister und Ahnen. Nur ein zauberkräftiger Besen konnte dieses Tor von dunklen Mächten befreien. Daher rührt die Glücksverheißung des Schornsteinfegers; auch die grüne Rute das "Old Saint Nick", der einem seine Geschenke durch den Kamin in die Schuhe oder Strümpfe schiebt, und natürlich das Dekorieren des Hauses mit Ilexzweigen.
Schon die alten Kelten schmückten ihr Heim zur Wintersonnenwende mit Efeu, Misteln und Ilex. Der Winterkönig, der das Lebensgrün durch die kalte Jahreszeit hindurch rettete, trug eine Krone aus diesen Blättern. Im Jahreskreis stand er dem Sommer- oder Eichenkönig gegenüber, der zur Sommersonnenwende wie Johannes der Täufer seinen Kopf verliert. So sahen die christianisierten Kelten im blutenden Jesus mit seiner Dornenkrone ihren Holly-König mit den roten glänzenden Beeren. Maria, die mit einer Lilie verglichen wurde, fand sich in den weißen Blüten dieser Pflanze.
Für die Griechen und Römern symbolisierte das immergrüne Gewächs das ewige Leben. Die Römer verschenkten während der Saturnalien, einem Fest, das auch um die Wintersonnenwende gefeiert wurde, diese Zweige als Sinnbild für Wohlwollen und freundschaftliche Zuwendung.
Die frühe institutionalisierte christliche Kirche verbot im Konzil zu Braga das Heidengehölz als Weihnachtsschmuck. Trotzdem setzte sich diese Volkstradition durch. In Südwestdeutschland und Frankreich schmückt man seit dem 16. Jahrhundert am Palmsonntag – der Feier anlässlich Jesus' Einzug in Jerusalem – in Ermangelung echter Palmen damit. Und die Legende entstand, dass die Palmzweige in dem Moment Stacheln bekamen, als das Volk, welches eben den Heiland mit Palmenzweigen bejubelte, nun schrie: "Kreuzigt ihn!"

Eine Stechpalme kann zu einem bis zu fünf oder gar zehn Meter hohen Strauch oder Baum heranwachsen und das stolze Alter von 300 Jahren erreichen. Ihre Familie zählt zirka 450 Arten, die - insofern es nicht zu kalte Winter gibt - über die ganze Erde verbreitet sind. So wächst sie besser im atlantischen Klima als bei uns in Mitteleuropa.
Sie gehört zu den Stechhülsengewächsen, die vor allem subtropischen Gebieten zu Hause sind. Die Stechpalme ist ein naher Verwandter des Matestrauchs und besitzt ähnliche Eigenschaften wie dieser und wird manchmal "deutscher Matetee" genannt.
Die dunkelgrünen, glänzenden Blättern sind in den unteren Regionen des "Waxlaub" oder "Walddistelstrauchs" mit stachligen Spitzen versehen; oben - also außer Reichweite der pflanzenfressenden Tiere - sind sie glatt.

Die Bezeichnung "Ilex", stammt vom Keltischen "ic", "Spitze"; der Beiname "Ilex aquifolium" nimmt Bezug auf die entwässernde Wirkung der Blätter.
"Stechendes Laub bricht das Fieber."  So ist der "Döörn" bzw. der "Stechholder" oder die "Stecheiche" für die fiebersenkende und krampflösende Wirkung bekannt. Culpeper, der die Signatur des Saturns betonte, benutzte sie, "um den Körper von Ansammlungen übler, feuchter Schleime zu befreien".  Ein Tee aus den Blättern hilft gegen Fieber, Bronchitis, Lungenentzündung, aber auch gegen "Wassersucht", Blinddarmreizung, Gicht oder Rheuma.

Die jungen Blätter können ganze Jahr über gesammelt und im Schatten getrocknet werden.
Wildwachsend steht sie allerdings unter Naturschutz!

Die korallenrot gefärbten Steinfrüchte der Stechpalmen dürfen auf keinen Fall gegessen werden, sie enthalten einige giftige Stoffe, die starken Brechreiz und heftige Durchfälle auslösen und schon zu Todesfällen geführt haben.

Vielleicht stammt daher der Name "Pandore", die "Allbeschenkte", die eben auch Leid schenken kann. Oder er rührt daher, dass diese Pflanzen zweihäusig sind, es also männliche und weibliche Exemplare braucht, wenn sie Beeren tragen sollen - so wie die Männer in der griechischen Sage, sich Frauen wünschten und von den Göttern Pandora gesandt bekamen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fiebertee

20 g fiebersenkende Stechpalmenblätter, mit ebenso viel schweißtreibenden Holunderblüten und beruhigenden Lindenblüten mischen. Bei Husten eventuell Thymiankraut zufügen.
Dreimal täglich einen Teelöffel dieser Mischung mit einer Tasse kochendem Wasser überbrühen und fünf Minuten ziehen lassen.

 

Theodor Freiligrath
Die Stechpalme

nach Robert Southey

O Leser, hast du je betrachtet die
Stechpalme? - Sieh'
Ihr glattes Laub, wie eine weise Hand
Es zum Gewand
Dem Baume gab, so sinnig, dass daran
Des Atheisten Klugheit scheitern kann.

Denn unten, wie ein Zaun von Dornen, starrt
Es scharf und hart;
Kein weidend Vieh durch diesen spitzen Saum
Verletzt den Baum.
Doch oben, wo die Rinde nichts befährt,
Wird stachellos das Laub und unbewehrt.

Dies ist ein Ding, wie ich's betrachten mag;
Gern denk ich nach
Des Baumes Weisheit; seiner Blätter Zier
Reicht willig mir
Ein Sinnbild für ein Lied, das lange Zeit
Nach mir vielleicht noch nutzt und auch erfreut.

So, schein' ich draußen auch zuweilen rau
Und herbe; schau
Ich finster auch, wenn mich am stillen Herd
Ein Läst'ger stört,
Doch streb' ich, dass ich Freunden, gut und treu,
Sanft, wie das Laub hoch auf der Stechpalm' sei.

Und heg' ich jung, wie wohl die Jugend tut,
Auch Übermut
Und Trotz, doch schaff ich, dass ich jeden Tag
Sie mindern mag:
Bis ich im hohen Alter mild von Sinn,
Gleich dieses Baumes hohen Blättern, bin.

Und wie, wenn alle Sommerbäume grün
Dastehn und blühn,
Die Blätter dieses einz'gen Baumes nie
So glühn, wie sie,
Doch spät im öden Winter uns allein
Mit ihrem dunklen Immergrün erfreun:

So auch in meinen Jugendtagen will
Ich ernst und still
Im Kreis der Jugend sein, die unbedacht
Des Ernstes lacht,
Auf dass mein Alter frisch und fleckenfrei,
Gleich dieses Baumes grünem Winter, sei.

 

 

Bild Blüte: Frank Vincentz http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ilex_aquifolium_25_ies.jpg?uselang=de

Bild Drossel (leicht verändert): Mistle Thrush Turdus viscivorus. Malahide, Dublin, Ireland. http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Mistle_Thrush_(Turdus_viscivorus)_eating_berries.jpg?uselang=de