"Der Wein ist nämlich das Blut der Erde
und ist in der Erde, wie das Blut im Menschen
und hat eine Art von Gemeinschaft mit dem Blut des Menschen,
befördert deshalb seine Wärme,
wie ein mit größter Geschwindigkeit sich drehendes Rad ...“

Hildegard von Bingen

 

Die Heimat der wilden Weintraube wird in Transkaukasien und Mittelasien vermutet. Sie wurde bereits vor ungefähr 7.400 Jahren kultiviert. Die Sumerer waren die ersten, die Wein kelterten. Heute werden nur 15 Prozent der Trauben als Obst verzehrt, aus 5 Prozent werden Rosinen getrocknet, 80 Prozent werden zu Wein vergoren.
Wein in all seinen Formen schmeckt nicht nur, sondern verfügt auch über vielfältige Heilkräfte.

Der sofort assimilierbare Traubenzucker liefert rasch Energie und wirkt so stärkend und aufbauend. Früher war ein in Rotwein gequirltes rohes Ei das Stärkungsmittel gerade für Frauen, die frisch entbunden hatten. Dies auch, weil rote Trauben blutbildend wirken. In den Beeren enthaltene Mineralien wie Calcium, Kalium, Phosphor und Eisen sind Nahrung für Nerven, Hirn, Zähne und Knochen.
Trauben regen die Darm- und Nierentätigkeit an und wirken entwässernd, entschlackend und entsäuernd – besonders die weißen. Harnsäure wird leichter ausgeschieden werden, kristalline Ablagerungen können abgebaut werden und so helfen sie u.a. bei Gicht.
Weinbeeren enthalten viele sogenannte sekundären Pflanzenstoffe wie Flavonoide, Polyphenole (z.B. Quercetin und Resveratrol) sowie den Radikalfänger Pycnogenol.
Untersuchungen zeigen, dass Flavonoide, besonders die der roten Trauben, Herz- und Gefäßkrankheiten vorbeugen können, indem sie helfen, Blutgefäße elastisch und ablagerungsfrei zu halten.
Quercetin ist wegen seiner Tumor hemmenden Wirkung bekannt. Es regt in Kombination mit Vitamin C das Immunsystem an, hilft so bei Infektionen und Entzündungen und lindert Arthritis- und Rheumasymptome in Gelenken und Muskeln.
Studien der Universität Illinois weisen darauf hin, dass auch Resveratrol das Wachstum von Tumoren verlangsamen und manchmal sogar stoppen kann - dies nicht nur am Anfang, sondern auch in fortgeschrittenen Stadien. Französische Wissenschaftler fanden heraus, dass Resveratrol die Entwicklung eines Enzyms stoppt, das mit Brustkrebs in Verbindung gebracht wird - auch, dass es dabei helfen kann, Leberzirrhosen vorzubeugen. Außerdem soll dieser Stoff den Alterungsprozess der Haut aufhalten können. 
Resveratrol gehört zu den Phytoalexinen, also Substanzen, die von Pflanzen zum Selbstschutz gebildet werden. Seine Hauptaufgabe ist der Schutz der Weintraube vor Pilz-, Bakterien- und Virusinfektionen sowie vor schädlichen Umwelteinflüssen wie UV-Strahlung, Ozonbelastung und Toxinen. Doch es bildet sich erst dann in hohen Konzentrationen, wenn die Rebe von Pilzen oder anderen Erregern bedroht wird. Wenn Fungizide gespritzt werden – wie im konventionellen Anbau üblich – wird das Immunsystem kaum gefordert und es werden wenige sekundäre Pflanzenstoffe gebildet. Also essen Sie, wenn möglich, selbst oder biologisch angebauten Trauben. Dies auch, weil Trauben zu denjenigen Früchten gehören, die sehr häufig gespritzt werden und größere Mengen der Spritzgifte aufnehmen.
Heute werden im Handel zunehmend kernlose Traubensorten angeboten. So bringen wir uns selbst um eines der Lebensmittel mit den höchsten antioxidativen - also zellschützenden – Eigenschaften. Die Kerne enthalten eine Substanz, die sich Pycnogenol nennt. Dieses hilft ebebfalls bei Arthritis, Herz- und Gefäßproblemen oder Allergien. Es hemmt Enzyme, die an der Entstehung von Entzündungen beteiligt sind, und reduziert oxidative Schäden und stabilisiert die Zellwände. Als Antioxidant ist es doppelt so wirkungsam wie Vitamin E. Man vermutet, dass es die Blut-Hirn-Schranke passieren kann, und daher auch  Gehirn- und Nervengewebe vor Oxidationen schützen kann. Außerdem kann Pycnogenol die Blutzirkulation verbessern – eine Wirkung die Diabetikern, Schlaganfall- und Arthrose-Patienten, sowie Menschen, die oft an geschwollenen Beinen leiden, helfen kann.

Außer den puren Beeren kann natürlich auch der vergorene Saft genossen werden.
Bis vor wenigen Jahren galt jeglicher Alkoholgenuss als gesundheitsschädigend. Kaum ein Wort davon, dass einst zu einem Krankenhaus auch immer ein Weinkeller gehörte und und viele Medikamente in Wein verabreicht wurden, so dass sie die Blut-Hirnschranke überwanden (Was bei den modernen chemischen Präperaten nicht angebracht ist!). Oder davon, dass Plutarch meinte: "Wein ist unter den Getränken das nützlichste, unter den Arzneien die schmackhafteste und unter den Nahrungsmitteln das angenehmste."
In den letzten Jahren wurde vielen Studien die Heilwirkung von Wein nachgewiesen - vorausgesetzt die Dosis stimmt: Frauen maximal ein bis anderthalb Gläser, Männer zwei bis drei Gläser  - doch nicht an jedem Tag. Ein Übermaß kann die Organe, besonders die Leber, belasten, zu viel innere Hitze erzeugen oder abhängig machen und so eher von der Lösung von Problemen wegführen.
Wein schmeckt nicht nur, sondern schützt auch Herz und Blutgefäße, verhindert das Verklumpen der roten Blutkörperchen, reguliert den Cholesterin-Spiegel, er senkt auch die Gefahr, der Bildung von Nierensteinen. Etwas Rotwein zum Essen kann vor Lebensmittelvergiftungen durch Salmonellen, Coli-Bakterien und andere Erregern von Magen-Darm-Erkrankungen schützen. Wein stimuliert die Tätigkeit der Hormondrüsen, so werden z.B. Schilddrüse, Bauchspeicheldrüse oder die Sexualdrüsen angeregt. Der Östrogenspiegel steigt und mindert so das Risiko einer Osteoporose, u.a. weil ebenfalls der Calciumstoffwechsel angeregt wird. Es wird auch behauptet, dass mäßiges Trinken von Wein, die Gefahr von Alterssenilität und Alzheimer-Erkrankungen senken kann - vielleicht wirken Genuss und Lebensfreude mindestens genauso wie die enthaltenen Wirkstoffe.

Unreife Trauben können ebenfalls als Heilmittel eingesetzt werden, so bei Kopfschmerzen durch Hitze oder Magenschmerzen.

Die Blüten können als Tee getrunken oder aufbereitet für Einreibungen benutzt werden. Sie gelten als Nerven stärkend und sollen laut Volksmedizin bei leichten Lähmungszuständen durch Probleme der Rückenmarksnerven helfen.

Die Blätter, die in der mediterranen Küche u.a. zum Einwickeln von Hackfleisch oder Schafskäse benutzt werden, kann man äußerlich als Kompresse auflegen oder als Tee - bei Gicht, Rheuma, Erbrechen - zubereiten. Sie wirken zusammenziehend und helfen bei aufgesprungenen Händen und Füßen, Frostschäden, Geschwüren, Ekzemen, eiternden Wunden, Hautunreinheiten. In Form von Salben hilft rotes Weinlaub  gegen Krampfadern, Ödeme oder müde Beine.

Auch das Traubenkernöl enthält viele der hochwertigen Stoffe für Geschmack, Schönheit und Gesundheit.

 

Traubenkur

Essen Sie für einige Tage möglichst nur Weinbeeren und keine oder nur wenige andere Speisen.
Wählen Sie möglichst kernhaltige Sorten und kauen Sie die Kerne intensiv. So kommen Sie nicht nur in den Genuss der stark antioxidativ, antiallergisch und immunstärkend wirkenden OPCs (Oligomere Proanthocyanidine), auch enthalten diese weniger Zucker als die hybriden Zuchtsorten ohne Samen.
Ebenfalls die Schalen gut kauen, nicht nur wegen der Wirkstoffe - in seltenen Fällen  kann man sonst einen Darmverschluss bekommen.
Diabetiker sollten täglich höchstens um die 80 g Trauben essen.

 

Rainer Maria Rilke

Herbsttag

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
die letzte Süße in den schweren Wein

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.