"Die Krankheit entsteht durch Einflüsse,
die den Heilmitteln ähnlich wirken,
und der Krankheitszustand wird beseitigt durch Mittel,
die ihm ähnliche Erscheinungen hervorrufen." 

Hippokrates von Kos

 

Das Wort "Homöopathie" wurde durch den Arzt Samuel Hahnemann aus dem altgriechischen „ὅμοιος” (hómoios) -  "gleich/ gleichartig/ ähnlich" - sowie "πάθος" (páthos) -  "Leid/ Schmerz/ Affekt/ Gefühl" - geprägt. Damit bezeichnete er seine Behandlungsmethode, die im Gegensatz zur Allopathie, bei der Entgegengesetztes heilen soll, stand. Mit Medikamenten, die beim Gesunden kurzfristig ein "ähnliches Leiden" erzeugen, sollen Kranke geheilt werden.
Neben dem Ähnlichkeitsprinzip postulierte Hahnemann u.a. die Potenzierung als Grundsatz. Letztere dient nicht nur der Befreiung von der Giftigkeit, auch die "im innern Wesen der Arzneien verborgene, geistartige Kraft" (Hahnemann) soll verstärkt werden.
Immer wieder wird die Wirksamkeit der homöopathischen Mittel wegen dieser scheinbaren Verdünnung bestritten, ist schließlich ab Potenzstufe D23 kein Molekül des Ausgangsstoffes mehr im Lösungsmittel. Es geht jedoch nicht um den Stoff, sondern um die Information.
Wenn Sie eine Buchseite einscannen, befindet sich keine einzige Zellulosefaser auf der Festplatte Ihres Computers. Und andererseits haben Sie nichts von der Information, wenn Sie ein Buch schreddern und pürieren, obwohl der Stoff sich nicht geändert hat – nur ist er nicht mehr "in-Form". Die Bedeutung eines Liebesbriefs kann nie durch die Analyse des Papiers und der Tinte erfasst werden. Ein Spiegel enthält kein einziges Molekül des Gespiegelten.

In der Homöopathie gibt es mittlerweile viele Spielrichtungen, so z.B. die sogenannte "Klassische Homöopathie" nach Kent, bei der immer nur ein Mittel gegeben wird, die Komplex-Homöopathie, bei der bei einem Krankheitsbild häufig zutreffende Mittel gemischt werden oder die astrologische Homöopathie, bei der die Mittel nicht nur zu den Symptomen, sondern auch zu den im Geburtsmoment angezeigten Konstellationen passen müssen.

Homöopathische Mittel können als Globuli (kleine Kügelchen), Tabletten oder Tropfen eingenommen werden. Mit zunehmender Erfahrung verordnete  Hahnemann Hochpotenzen als Riechdosis, was auf den ersten Blick merkwürdig erscheint. Bedenkt man aber, dass der Riechnerv unser erster Hirnnerv ist oder dass einfache Organismen nicht über einen Seh- oder Geschmacks-, aber über einen Riechsinn verfügen, ist dieses Vorgehen sinnvoll. (Siehe auch Filmtipp "Dufter Sinn")

Die Einnahmehäufigkeit der Mittel ist außer von der Potenzstufe, davon abhängig, ob die Krankheit akut oder chronisch ist.

Homöopathie ist eine Reiztherapie. Sie reizt den Organismus, Kräfte zur Überwindung der Krankheit zu aktivieren. Deshalb sind sogenannte "Erstverschlimmerungen", die hin und wieder auftreten können, zumeist als Heilreaktionen anzusehen und nicht als negative Nebenwirkung.

Bedenken Sie, dass eventuelle Ausscheidungsreaktionen wie verstärktes Schwitzen oder eine laufende Nase zeigen, dass der Körper versucht, sich zu reinigen. Unterdrücken Sie diese deshalb nicht. (Siehe auch Filmtipp "Nutzen der Krankheiten")

Bei tieferen, chronischen Krankheiten können auf dem Weg zur Heilung frühere Stadien der Erkrankung wieder erscheinen. Das Leiden nimmt seinen Weg zurück zum Ausgangspunkt. Die verdrängte Vergangenheit holt den Kranken ein. Er wird so aufgefordert, sich erneut mit den das Leiden verursachenden Problemen zu befassen und sie aufzulösen. Die symptomatisch angezeigten homöopathischen Mittel, die bei diesem Prozess helfen sollen, wechseln meist.
Beim Heilungsprozess ändert sich die Symptomatik folgendermaßen:

  • von oben nach unten
  • von innen nach außen (Befreiung von Toxinen und Ablagerungen, evtl. verstärkte Absonderungen, unterdrückte Ausschläge erscheinen wieder)
  • in umgekehrter Reihenfolge des zeitlichen Auftretens der Symptome

Die Prozesse bei der Auflösung der Krankheit betreffen häufig auch Familienangehörige. Beispielsweise müssen Sie verstehen lernen, wenn jemand, der immer alles hingenommen hatte, womit er eigentlich nicht einverstanden war, nun plötzlich seinem Unmut Luft macht.

 

 

In der Homöopathie kann man drei sich ergänzende Ansätze unterscheiden:

Zum Ersten: die organotrope Verordnung, die sich im Wesentlichen mit den akuten Fällen beschäftigt – und auf die die Homöopathie heute häufig reduziert wird.

Zweitens: konstitutionelle Homöopathie, bei der es  um ein personenbezogenes, dem Charakter und Erscheinungsbild des Patienten entsprechendes Mittel geht.

Als drittes der miasmatische Ansatz: Mit zunehmender Erfahrung stellte Hahnemann fest, dass es bei chronischen Krankheiten mindestens ein Heilungshindernis im Organismus gibt, welches weder mit Medikamenten oder den gesündesten Diäten kuriert werden kann, noch mit der Zeit von selbst verschwindet. Daher widmete er sich der Suche nach der "Krankheit hinter den Krankheiten", denn diese erkannte er als Symptome eines darunter liegenden "Urübels", das er im Stil der Zeit "Miasma", "Ansteckung"/ "Verunreinigung", nannte. Diese "Schwächung der Lebenskraft" ist eine ererbte Anlage, die bestimmte Krankheiten begünstigt, kann aber auch durch eigene Erkrankungen oder Unterdrückung von körperlichen oder seelischen Leiden im eigenen Leben erworben werden. Wie bei einem Eisberg werden, wenn man nur die Spitzen abschlägt, immer wieder neue Leiden aus der Tiefe auftauchen. Behandelt man nur die oberflächlichen Erscheinungen, also die akuten Krankheiten, - egal ob allopathisch oder homöopathisch -, wird dadurch die Lebenskraft nicht gestärkt, im Gegenteil...

"Unter" den chronische Krankheiten lagen für Hahnemann die drei Miasmen: Psora, Sykose und Syphilis; die nicht mit den gleich benannten Seuchen gleichzusetzen sind, auch wenn sie mit diesen zu tun haben. Letztlich soll jede Krankheit bis hin zum ursprünglichen Miasma, der Psora, kuriert werden, welches über einen Hautausschlag ausheilen kann. Nachfolgende Homöopathen differenzierten bzw. ergänzten das hahnemannsche Modell durch die Mischformen: Tuberculinie und deren Unterarten, das karzinogene und das iatrogene Miasma. Der indische Homöopath Sankaran unterscheidet sogar zehn grundlegende Miasmen.

Nur während oder erst nach der Gabe miasmatisch wirkender Mittel verordnete Hahnemann konstitionell wirkende. Letztere sind seines Erachtens nach fast alle mineralischen Ursprungs - besteht unser Körper doch aus Mineralien.

Auch wenn zu Hahnemanns Lebzeiten die Existenz von Mikroorganismen als Krankheitserreger noch nicht bekannt war, widerspricht seine Miasmentheorie dieser Auffassung nicht direkt: Weiß doch jeder, dass bei einer Grippewelle oder Seuche nicht alle erkranken, sondern dass eine gewisse Disposition vorhanden sein muss. Selbst Pasteur äußerte am Lebensende: "Nicht der Erreger, sondern das Terrain ist dafür verantwortlich, ob eine Krankheit ausbricht oder nicht". (Siehe auch: Vortrag von J.F. Grätz unter "Impfentscheidung")

Unter dem Link "Filme" finden Sie noch mehr Informationen zur Homöopathie.

 

 

"Man ahme der Natur nach,
welche zuweilen eine chronische Krankheit
durch eine andre hinzukommende heilt
und wende in der zu heilenden ... Krankheit dasjenige Arzneimittel an,
welches eine andre, möglichst ähnliche,
künstliche Krankheit zu erregen im Stande ist und jene wird geheilet werden..."

Samuel Hahnemann


 

Gemälde: "Die Eisberge" Frederic Edwin Church (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:The_icebergs_big.jpeg?uselang=de)