"Die Zeit verwandelt uns nicht,
sie entfaltet uns nur."

Max Frisch

Die „Metamorphose“ oder „Pränatale Therapie“ wurde von Robert St. John aus der Fußreflexzonen-Massage und den „Lehrsätzen der Entsprechungen“ von Emanuel Swedenborg entwickelt.

Da die Wirbelsäule und der Schädel das zentrale Nervensystem enthalten, gibt es hier keine scharfe Trennung zwischen körperlichen und geistigen Prozessen. Sie sind der Grundstock unseres festen Gewebes, letztlich unserer Energie.
St. John zufolge werden in den Reflexzonen der Wirbelsäule von Füßen, Händen und Kopf auch zeitliche Abläufe gespeichert: Negativ empfundene Erlebnisse, Schicksalsschläge, Unfälle und Traumen können sich als Verspannungen, Verhärtungen oder Schwachstellen zeigen.

In einer Art Hologramm sind zugleich Empfindungen unserer frühesten Entwicklungsphase, also der Zeit vor der Geburt, abgespeichert, so z.B. die Angst der Mutter vor der Schwangerschaft oder die Ablehnung des Ungeborenen. Diese Erfahrungen kehren als Muster in verlängerten Zyklen wieder, um nochmals in einer anderer Qualität durchlebt zu werden, bis sie schließlich hoffentlich aufgelöst werden können.
Diese Urtraumen können sich auf verschiedene Weise zeigen: als emotionale Störungen, als beschränkende Denk- oder Verhaltensweisen oder als körperliche bzw. geistige Krankheiten.

Berührungen an den Wirbelsäulenreflexpunkten sollen die problematischen Strukturen lockern und so als Katalysator - also Beschleuniger bzw. Verstärker - für die Lebenskraft eines Menschen wirken. Alte blockierende Energiemuster können sich leichter durch die eigenen Selbstheilungskräfte in förderliche transformieren.

Metamorphose, ständige Wandlung, Bewegung, ist das Urprinzip allen Lebens. Auf der Symbolebene wird dieses an unseren Füßen am deutlichsten. Daher legte St. John besonderes Augenmerk auf die Massage der dort befindlichen Wirbelsäulenreflexzonen.
Demgemäß können an den Händen Muster unseres Handelns, am Kopf Denkmuster gelockert werden. 
Stockende Entwicklungen sollen wieder in Gang kommen, um so die angelegte Entfaltung zu ermöglichen - so wie die gewandelte Raupe, wenn es ihr gelingt, den Kokon zu sprengen, zum Schmetterling wird oder wie der Samen zu einer Pflanze mit Blüten und Früchten wird.

Geeignet ist die Methode bei allen Blockaden körperlicher und seelisch-geistiger Art, also auch bei Entwicklungsstörungen wie geistigen Behinderungen. Wenn mit Sprache oder kognitiver Erkenntnis verbundene Therapieformen nicht zum gewünschten Erfolg führen, kann die „Metamorphose“ helfen. Sie kann die Entfaltung jedes Menschen unterstützen.
Familienmitglieder können sie erlernen und zwischenzeitlich zu Hause ausführen.

 

  "Was die Raupe Ende der Welt nennt,
nennt der Rest der Welt Schmetterling."

Laotse

 

Der colorierter Kupferstich von Maria Sibylla Merian entstammt den "Metamorphosis insectorum Surinamensium" (1705).
Bildquelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Joseph_Mulder_etching_1.jpg

Quelle des Schemas: Saint-Pierre, Gaston u. Debbie Shapiro: Die Metamorphische Methode. Ryvellus Medienverlag. Seeshaupt u. München.1994.