"Ihr seid das Salz der Erde.
Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen?"

Bergpredigt, Neues Testament, Mt 5.13

 

Die Biochemie, die auch Schüssler-Therapie genannt wird, wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts vom homöopathischen Arzt Wilhelm Heinrich Schüssler vor dem Hintergrund der damals modernen Forschungen über den Mineralhaushalt von Tieren, Pflanzen und des Bodens sowie der Erkenntnisse über Zellfunktionen entwickelt. Er untersuchte die Aufnahme und Wirkung von Mineralstoffen im menschlichen Organismus – wurden diese doch schon zumindest seit der Antike durch Heilerden oder Kurbäder genutzt. So entstand seine eigenständige Therapie, die sich hinsichtlich der Betrachtungsweise, der Mittelwahl, der Potenzierung und Dosierung von der Homöopathie unterscheidet.

Anders als in der Homöopathie, bei der das Mittel nach dem Ähnlichkeitsprinzip verordnet wird, werden in der Biochemie ausschließlich Substanzen, die im gesunden Körper in ausgewogenem Masse ausreichend vorhanden sind, verordnet. Die meisten sind Verbindungen von Säuren und Basen, um deren Harmonie im Körper zu fördern. Da das Fehlen eines Minerals verschiedene Auswirkungen auf das Zusammenspiel der Organe und der Organfunktionen hat und dadurch der Boden für Krankheiten bereitet wird, soll es auf Funktionsmittelebene durch feine Gaben ergänzt werden, die - wie die Fachleute beim Hausbau - den Körper anregen, diesen Stoff verstärkt aus der Nahrung aufzunehmen und sinnvoll einzusetzen. Dr. Schüssler empfahl die noch stofflichen Potenzen D6 bzw. D12, weil diese nach seinen Forschungen am ehesten die Verhältnisse der Mineralstoffe im Organismus spiegeln. Auch die Einnahmemengen unterscheiden sich deutlich von der Homöopathie, soll doch etwas ergänzt werden. Hier geht es also nicht nur um Information wie bei der Homöopathie.

Wirkungsbereich und Anwendung der Salze sind jedoch nicht auf die biochemische-körperlichen Ebene reduziert. Denn genau wie das innere Milieu durch den seelischen Zustand beeinflusst wird - so wird dieses beispielsweise immer saurer, wenn wir häufig auf etwas "sauer" sind –,  wirkt es natürlich auf die Psyche zurück.

 

"Da sitzen wir nun irgendwo zu Gast auf dieser Erde,
speisen Reis, Hühnchen und Salat,
und denken dabei nicht mehr an die eigentliche Basisnahrung, an Stein."
"Pflanzen, Tiere, Menschen:
In ewiger Wandlung nehmen sie Steinstoff auf und leben damit,
bis dieser eben nur "geliehene Stein"
wieder heimkehrt in die kreative Ruhelosigkeit stetiger Schöpfung."

Maximilian Glas

 

Bild: Eine Knochenzelle in einer winzigen Höhle des Knochengewebes.
Motta, Pietro und Piero Angela: Wunder Mensch. Reportagen aus dem Innenleben. VGS Verlagsanstalt. Köln.1992.